Vor einiger Zeit

habe ich mich mit einem der berühmtesten Weihnachtslieder befassen müssen, aus rein musikalischen Gründen. In diesem Zusammenhang habe ich nachgelesen, dass der Komponist dieses Lied während extrem heissen sommerlichen Temperaturen, mehr aus einer Spielerei heraus, schrieb. Er hoffte, es würde ihm kühler werden, wenn er über Eskimos und Schneeberge nachdachte.

Also, dachte ich mir, probierst das gleich mal hier aus, in dem heissen Lande wo du dich so sauwohl fühlst. Denn ich liebe dieses Klima, vor allem wenn ich an meine Freunde in Europa denke, welche alle Jahre wieder dieses Knochen- zersetzende, kalt-nasse Wetter geniessen dürfen/müssen. Und ich begebe mich auf dünnes Eis, vielleicht auch Glatteis, wie man’s nimmt – es soll ja etwas Abkühlung bringen.

Die geneigte Leserschaft

hat sicher bemerkt, dass ich gerne recherchiere, ein Relikt der Warum-Kultur, welches ich von Europa mitgebracht habe. Das Warum existiert hier nicht, und gerade deshalb frage ich mich…. warum? Ich liebe die grossen kulturellen Unterschiede auf dieser Welt, und ich meine das absolut wertefrei! Aber ich frage hier trotzdem immer wieder nach dem Warum, damit ich die „Thainess“ und deren ganz normale Katastrophen des Alltags besser verstehen lerne.

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Die Wurzeln der „Thainess“ liegen Jahrhunderte zurück,

in einer feudalen Zeit, wo die Gesellschaften aus praktischen Gründen in Herrschende und Sklaven aufgeteilt waren. Vieles deutet heute darauf hin, dass die Sehnsucht nach diesen Werten rapide anwächst, nachdem man der ständigen „Warums“ der Weltgemeinschaft überdrüssig geworden ist. Die Strände sehen wieder so idyllisch aus wie im Mittelalter und es wurde von Regierungsseite her schon einige Male von einer Schliessung, sprich Abschottung, des Landes gesprochen.

Mit einem kritischen Seitenblick nach Europa ist grundsätzlich gegen solche Rückwärts-Bewegungen nichts einzuwenden. Da ist der geistig-seelische Mensch offensichtlich auch irgendwo im Mittelalter stecken geblieben. So betrachtet könnte man die politischen Bewegungen in Europa als eine Art Wiedervereinigungs-Tendenz des Intellekts mit seinen Ursprüngen interpretieren.

In einer feudalen Gesellschaft wird befohlen und gehorcht – ohne Fragen, ohne „Warums“. Daraus entwickelt sich ein eigenartiges Schulsystem. Denn aus pädagogischer Sicht gibt es keine Lernprozesse ohne das „Warum“. In unserer Dorfschule darf kein Kind nach dem „Warum“ fragen, auch nicht: „Herr Lehrer, das habe ich nicht verstanden, könnten Sie’s bitte nochmals erklären?“ Nein, das geht nun wirklich nicht! Vor allem nicht für einen Lehrer, der, wie auch immer, in die Mittelschicht aufgestiegen ist und mit seiner 7-Millionen-Kreditwürdigkeit erhaben und selbstgefällig über jedem im Dorfe steht. Dafür hat die feudale Gesellschaft auch einen hervorragenden Selbstschutz erfunden: den Gesichtsverlust!

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Ich als Pädagoge wusste schon damals in meiner Heimat:

ein Lehrer weiss alles, kann alles und macht keine Fehler! Diese Erkenntnis ist hier Doktrin!…und jeder Schüler übernimmt das sofort als eine Art Überlebens-Strategie und integriert es in sein praktisches Leben. Diese Doktrin, gepaart mit dem Gesichtsverlust, ist DER Schutzschild schlechthin für das tägliche Leben – keine Fehler, keine Fragen, keine Diskussionen, keine Auseinandersetzungen, keine Kompromisse, keine Rücksichtnahme, keine Empathie, und selbstredend keine Demokratie – das noch so nebenbei.

Und das führt mich einen Schritt weiter auf das dünne Eis, nämlich zum Pinocchio- Effekt.

Immer mehr Thais haben lange Nasen!

Die Grossstädte und ihre Einwohner sind der Massstab aller Dinge auf dieser Welt! Dort sitzt die Macht des Geldes, von hier aus werden die Geschicke des Landes gesteuert. Hier sitzen auch die Medien und TV-Sender als Triebfeder der Konsum-Indoktrinationen und Meinungs-Manipulationen. Hier entstehen diese unsäglichen Soaps nach amerikanischem Vorbild, die täglich über Millionen von Fernsehkisten in die Hütten flimmern und unverblümt die neuesten Konsumwünsche lancieren…..und alle öffentlichen Personen im Film- und Nachrichten-Business hierzulande haben…lange Nasen.

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Mit den langen Nasen hat es nun folgendes auf sich:

die „angeborene“ Thai-Nase ist, mongolisch-asiatisch geprägt, eher eine platte, oder wie wir sagen würden, eine „Stups-Nase“. Es sind wunderschöne kleine Nasen, die perfekt in die Gesichter dieser Menschen passen. Das sage ich.

Mit der „westlichen Überflutung“ Thailands haben sich in den letzten Jahrzehnten auch neue sogenannte Schönheits-Ideale eingenistet, westliche eben: lange Nasen, weisse Haut, und die zierlichen kleinen Thai-Busen müssen durch Silikon-Ballone ersetzt werden. Alle Schauspieler und Moderatoren, männliche wie weibliche, zeigen sich deshalb vorteilhaft mit langen Zinken in weissen maskenhaften Gesichtern, bei den Damen schwebt das Ganze über einem ansehnlich aufgepumpten Dekolleté. Selbstverständlich, über Geschmack und Ästhetik lässt sich bekanntlich streiten. Unglaublich ist, dass sich diese Schönheitsideale auch tief in die Köpfe der einfachen Landbevölkerung eingegraben haben, und immer wieder zu diesen unsäglichen Diskussionen führen.

Mich interessiert mehr, welche vorbildlichen Werte diese Langnasen-Soaps in die beinahe leeren Wohnräume der Bauernfamilien hier auf dem Lande transportieren. Erstens einmal eine Art kollektiver Minderwertigkeits-Komplex einer dunkelhäutigen, plattnasigen Landbevölkerung. Dieser wird dann noch verstärkt, wenn die junge, hübsche Nachbarstochter irgendwann aus Pattaya, Bangkok oder Phuket zurückkehrt und stolz ihre lange, von einem Farang finanzierte Nase präsentiert. Da die Nase nun ja länger ist, muss sie auch etwas höher gehalten werden, und die junge Madame steht nun eindeutig über ihren zu Hause gebliebenen Freundinnen.

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Das hat oft eine groteske Auswirkung auf die dörflichen Sozialstrukturen.

Auf der einen Seite die radikale Vereinsamung der „langnasigen Madame“, welche mit ihren verqueren Schönheitsidealen ihre natürliche Schönheit ans Messer geliefert hat. Damit watschelt sie nun wie eine Ente in Designerkleidern und hochhackigen Schuhen durchs Dorf, ihr neues Selbstbewusstsein demonstrierend. Auf der anderen Seite kämpft Bewunderung mit Neid und Missgunst. Aber wieder zurück zu den Soaps.

Viel eindrücklicher sind die Beispiele der Problemlösungen, welche die Soaps anbieten. Da die in einer reichen Hightech-Umgebung lebenden Protagonisten ja auch alle alles wissen, alles können und bestimmt keine Fehler machen, herrscht ganz einfach der „Krieg auf der Leinwand“. Diese hasserfüllten Ausdrücke auf den Gesichtern der langnasigen Schönheiten sind weltweit unerreicht. Die von Gier angetriebenen Familien-Clans hassen und bekämpfen sich, und jede junge Liebe wird gnadenlos zwischen den Fronten zermalmt. Das mag wohl auch der Grund sein, dass hierzulande von höchster Stelle das Glücklich-sein befohlen wird…..

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Diese Soaps hüpfen plötzlich aus dem TV in die Köpfe,

und toben sich mitten unter uns aus!  So hier im Dorfe auf eindrückliche Weise geschehen. Das beginnt damit, dass unsere Enkelin erst einmal dieses unsägliche Fernseh-Gesicht aufsetzt, wenn ihr etwas nicht passt. Da hier die Kindererziehung eher unbekannt ist, passt vieles nicht und entsprechend ist dieser nachgeäffte empörte Gesichtsausdruck häufig. Aber das ist noch harmlos.

Über zwanzig Jahre lebte sie hier, die nette kleine Bauernfamilie.

Er ein stiller Bauer mit Passion, ein richtiger Naturmensch, sie eine kleine, etwas rundliche, humorvolle und warmherzige Bäuerin, von allen geachtet und geliebt. Er heiratete in ihre Familie ein, welche wohl ein Haus, aber kein Land besass. Der Schwiegervater fuhr als Kleinunternehmer – als einer der Ersten in der Gegend – ein eigenes Taxi. Später wurde er Gemeindepräsident und übernahm nach dieser Laufbahn als älterer, weiser Mönch die Geschicke des Dorftempels.

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Der bäuerlichen Tradition entsprechend zog der junge Bauer ins Haus seiner neuen Gemahlin. Kurz darauf erlitt sein Vater einen Schlaganfall, der ihn bis ans Lebensende gelähmt ans Bett fesselte. Die Familie, vor allem die Schwester des Bauernsohnes, beschlossen, dass der junge Mann fortan die elterlichen Felder bestellen soll. Diese Aufgabe übernahm er mit grosser Freude. Bald wurden ein Sohn und eine Tochter geboren. Die Arbeit war hart, ein kleiner einachsiger Traktor war alles, was sich die Familie je leisten konnte, alles übrige Geld floss in die medizinische Versorgung des gelähmten Vaters. Aber die Felder ernährten beide Familien. Das Leben blieb sehr einfach und bescheiden.

thainews-der-bauerDie Schwester des Bauern, die eigentliche Landbesitzerin, arbeitete in den Fabriken Thailands und Süd-Koreas, nachdem sich ihr Ehemann schon zu Beginn der Ehe zu Tode gesoffen hatte. Das dort verdiente Geld floss zurück in die Familie, wo ihre beiden Kinder nun aufgezogen wurden. Eines Tages brachte sie einen Farang mit ins Dorf. Nach vielen Besuchen und einer daraus entstandenen tiefen Freundschaft mit der Bauernfamilie, lebt der Farang nun hier im Dorf, er und die Schwester des Bauern hatten sich ineinander verliebt.

Die Jahre gingen ins Land,

mit dem Farang kamen ein paar Annehmlichkeiten in die Familie. Trotzdem, der Familien-Clan blieb bescheiden, es gab keine Verschuldung, keine Spielsucht, keine Drogen, keine Forderungen, einzig der Bauer guckte mit seinen Freunden ab und zu tiefer ins Glas.

Eines Tages kamen sie, die Probleme. An sich waren es ganz normale Unstimmigkeiten unter Eheleuten, wie sich später herausstellen sollte. Der Bauer und die Bäuerin schwiegen sich zuerst einmal wochenlang an, deshalb gab es gar keine Probleme, zumindest keine sichtbaren, die Familie bekam kaum etwas von diesen Dissonanzen mit. In der Schweigephase aber wurden die sogenannten Freunde mobilisiert. Der Bauer besprach sich mit seinen „besten“ Freunden, den Saufkumpanen – die Bäuerin liess sich von ihren „besten“ Freundinnen beraten. Und jetzt begann die Soap – endlich mal nicht nur im TV – sondern Live, mitten im Dorf!

Alle wollten sie daran teilhaben, alle wollten das Drehbuch mitschreiben, keiner war an einem versöhnlichen Ausgang interessiert – denn wie TV-Vorbilder zeigen: es gibt keine Soap mit Happyend! Und es ging ab in die Vollen……jede/r projizierte  seine aufgestauten, nicht erfüllten Sehnsüchte in haarsträubende Vorschläge für die beiden Eheleute, der allgemeine Neid und die schon lange gärende Missgunst brachen offen aus. Die Spirale drehte sich immer schneller zu einem heulenden Inferno. Die Bäuerin wurde eines Morgens mit samt dem kleinen Familienvermögen, welches für die anstehende Reisernte gedacht war, aus dem Dorf katapultiert. Alle ihre Freundinnen applaudierten sich selber, beglückwünschten sich zu ihren hervorragenden Ratschlägen. Die Freunde des Bauern besoffen sich und der Bauer selber, verlassen und dem Dorfklatsch ausgeliefert, zog zu seiner Schwester und dem Farang, mitsamt Traktor und Gerätschaften. Die Familie war mit einem riesigen Knall auseinander geflogen! Gesichtsverlust total!

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Nun griff die Soap vollends auch auf die Familienmitglieder über,

die beiden über 70-jährigen Schwiegermütter hassten sich nun nach zwanzig jähriger Freundschaft „Soap gerecht“, die beiden schon erwachsenen Kinder waren schwer verunsichert, ihre Mutter sei nun in Phuket und suche sich dort einen Farang, hiess es. Das hatte sofort den klaren Status einer Hure. Von dort aus belieferte diese ihre Freundinnen im Dorf mit längst verjährten Anschuldigungen gegen die ganze Familie des verlassenen Mannes mit der Absicht, ihren eigenen unwürdigen Abgang zu beschönigen oder zu vertuschen. Das Dorf ist in zwei Lager gespalten, ab und zu platzt ein kleiner Pickel der Gehässigkeit im grossen Lächeln des Dorf-Alltags.

Nach einem langen Gespräch zwischen dem Farang und dem alten Mönch im Tempel, der Vater der abtrünnigen Bäuerin, hatte letzterer nun dieser tragischen Dorf-Soap ein erstes Ende bereitet. Schalter aus – Abbruch, ein Lob der Hierarchie! Und das Eis begann unter meinen Füssen langsam zu schmelzen.

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Anderthalb Jahre später.

Die etwas kühlere Winterzeit ging soeben nahtlos in die erste Hitzewelle über, die Reisfelder lagen brach. Die Zeit der Feste, Zeremonielle und Partys brach an und sollte ihren Höhepunkt mit dem grossen Neujahrsfest Songkran Mitte April haben. Eine Zeit des Balzens und der Brautschau. Die Schwester schenkte ihrem verlassenen Bruder eine Flasche Parfum vom Feinsten. Dieser duftete nun jede Nacht aus dem Hause, wenn alle schliefen, und kehrte erst in den frühen Morgenstunden wieder zurück. Nur das quietschende Rolltor verriet ihn ab und zu, das genügte um den Tratsch und die Spekulationen in der Familie in Gang zu setzen.

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Die Schwester und vor allem ihr Farang witzelten mit ihm über seine nächtlichen Expeditionen. Mittlerweile  war von mehreren möglichen Bräuten die Rede, und es gab sogar Familien im Dorfe, die mit der Mutter des Bauern in Verhandlung treten wollten. Eine gute Partie ist auch hier immer noch eine gute Partie.

Es war der Farang, man staune, der letztendlich herausfand, wer die Angebetete ist. Oder anders herum, es war der Bauer der den Farang eines Tages in eine stille Ecke zog und ihm die umwerfend hübsche Dame auf Facebook vorstellte. Trotz absoluter Verschwiegenheit auch von Seiten des Farangs, hat seine Schwester mittlerweile trotzdem herausgefunden, wer die Dame ist und wo sie wohnt. Sie sei eine sehr tüchtige und rechtschaffene junge Frau und lebe noch bei ihren Eltern, hiess es. Die Schwester und ihr Farang, mittlerweile verheiratet, hofften auf eine erfolgreiche Romanze und vertraten damit die Moderne. Der Bauer aber wollte noch keine Zugeständnisse machen, denn er besitze ja nicht einmal ein Heim. Das Land dafür habe er zwar schon gekauft, aber für ein Haus müsse er noch eine Weile hart arbeiten, meinte er.

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Aber da war im Hause auch der Traditionalismus

– Isaan Culture – durch die Mutter, eine liebenswerte Matriarchin, vertreten. Sie, als älteste das Oberhaupt des Clans, organisierte zusammen mit ihren Schwestern und dem ältesten Bruder, die Tanten und der Onkel des Bauern,  eine Brautschau-Reise. Denn es war eben dieser Onkel, der auf seinen Geschäftsreisen in der Nähe eines Stausees eine mögliche Braut gesichtet hatte. Auch sie war geschieden und von wahrhaftigem Bauernstande. Vorgespräche mit ihren Eltern verliefen offenbar äusserst positiv, bald stand ein Datum für die Reise fest. Selbstverständlich wussten weder die Tanten noch der Onkel etwas von der Liebschaft des Bauern im Dorfe, und die Mutter schwieg majestätisch. Der Bauer, schon etwas ob dieser Situation verunsichert, goss das restliche Parfum über sich und seine schönste Kleidung und bat seine zwei besten Freunde ihn zu begleiten.

Des Onkels Pickup machte sich in einer Staubwolke Richtung Stausee von dannen. Einige Stunden später waren sie alle wieder zurück. Wie es denn gewesen sei, wollten wir neugierig wissen. Das Essen sei bei den vorbildlichen Gastgebern vorzüglich gewesen, nur die Braut hätten sie leider nicht angetroffen. Was? Wie das denn? ….die Eltern hätten ihre Tochter aus Angst vor einer Gewaltattacke des Ex-Ehemannes bei Nacht und Nebel nach Bangkok verfrachtet, berichteten alle in fröhlicher Stimmung. Immerhin war es ein gelungener kulinarischer Ausflug, und das hat hierzulande immer noch hohe Priorität.

Nur das schelmische Lächeln und das Leuchten in den Augen des gehörnten Braut-Schauers sprachen Klartext: er war überglücklich. Von einem nächsten Versuch am Stausee wurde nicht mehr gesprochen.

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Zu eben dieser Zeit war, wie oben schon erwähnt, das Fest der Feste, der Songkran

– das Thai-Neujahr. Das ganze Land in Feststimmung, eine Völkerwanderung sondergleichen. Die Anzahl der Verkehrstoten stieg unaufhaltsam in diesen sogenannten „Sieben gefährlichen Tagen“, so wie jedes Jahr. Und überall stiegen die Partys, Wasserschlachten und Morlam-Sing-Konzerte, lautstark zwar aber doch etwas zurückhaltender und gesitteter im Trauerjahr nach dem Tod des Königs.

Am zweiten Tag der Festlichkeiten erschien sie, von der Insel Phuket eingeflogen. Die ehemals kleine, etwas rundliche, humorvolle und warmherzige Bäuerin, die von ihrem Neid Getriebene, nach einem besseren Leben Ausgebrochene war kaum noch wiederzuerkennen. Elegant gekleidet, lange schlanke Beine, neue Frisur, chirurgisch „geöffnete“ Augen und die obligate lange Nase. Nur winzige Fragmente ihres ehemaligen Charmes identifizierten sie als die Person, die sie einmal war. Aber dem Farang, den sie im Schlepptau hatte, schien das sehr zu gefallen. Auch ihre Freundinnen jubelten und sahen sich einmal mehr bestätigt.

thainews-trauerDie andere Hälfte des Dorfes aber verurteilte die Schamlosigkeit und Frechheit der ehemaligen Mit-Bäuerin aufs Härteste. Wie konnte sie nur hier auftauchen und ihre neue Errungenschaft derart vorführen, an dem Ort wo sie einst ihre ganze Familie zerstörte. Er, der Neue, würde ihr im Dorfe ein neues Haus und eine Massagepraxis bauen, liess sie an jeder Ecke verlauten, während dem er gutmütig daneben stand und kein Wort verstand.

Was wäre das Dorf ohne die Gerüchteküche!

Bald machte die Kunde die Runde, dass sie wohl HIV-positiv sei. Das mag trauriger Weise sogar stimmen, denn schon vor Monaten kam sie schwer krank ins Dorf zurück und liess sich im Provinz-Spital untersuchen und behandeln, obwohl sie schon damals behauptete, einen super reichen Farang an der Hand zu haben. Auch in solchen Situationen ist die Wahrung des Gesichts eben wichtiger als die Wahrheit.

Nun hatte der Neue aber im Dorfe einen Bier-Umtrunk mit einem anderen, hier lebenden Farang. Und wie es unter Farangs sein kann – sie sprachen offen miteinander. Der Neue sei zwar sehr sympathisch, aber lebe in seinem Lande noch mit seiner Gemahlin zusammen. Er habe seine neue Liebe erst vor zwei Wochen in einer Bar in Phuket getroffen, nach ein paar wilden exotischen Nächten habe man sich entschlossen, für das Neujahrsfest in ihr Dorf zu gehen, ihre Mutter zu besuchen. Er werde wohl jetzt sein Leben überdenken müssen, Standortbestimmung, Entscheide fällen. Das dürfte dann interessant werden, wenn er mehr über ihr Leben erfährt. Wenn überhaupt. So bleibt gespannt abzuwarten, ob ein neuer Investor ins Dorf kommt.

Im Dorf gäbe es 42 Farangs, so heisst es einstimmig. Aber nur eine kleine Handvoll lebt hier, die anderen sind meist aufgrund eben dieser ganz normalen Katastrophen wieder verschwunden. Diese werden nunmehr als Investoren bezeichnet, denn sie hinterliessen Häuser und Autos, und damit einen erstaunlichen kleinen Wohlstand für ein einst kleines Bauerndorf in einer der ärmsten Gegenden des Landes.

Leider haben die Autoren der TV-Soaps diese ländliche Ressource an Geschichten und Ideen für neue Soaps noch nicht entdeckt. Eigentlich sehr schade.

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